Man kann Jüttes Stücke, die von ihm und seinen Bandkollegen mit Verve in Szene gesetzt werden, analytisch betrachten, kann nachdenken über isoliert gesetzte Klangmarken im Gegensatz zu Tonhaufen, die wie in einem Schwall über einem ausgeschüttet werden. Man kann sich an griffigen Grooves erfreuen, die mit zappaesker Komplexität einhergehen oder sich darüber wundern, wie nah Elegie und Ekstase, Lyrik und Unrast doch beieinanderliegen können. Oder man kann sich ganz einfach hineinfallen lassen in diese bei aller rhythmischen Verzwicktheit doch stets fließende, groovende, ganz und gar eigene akustische Welt des Bastian Jütte und seiner Kollegen, in der es sogar möglich ist, in ein und derselben Nummer, nämlich in "Post City", Anton Bruckner, Jimi Hendrix und die Red Hot Chilli Peppers aufeinander loszulassen.

Tut man dies, ist die Wirkung ganz erstaunlich. Hat man sich nämlich erst einmal orientiert in diesem auf den ersten Blick vielleicht etwas fremdartigen Kosmos, fühlt man sich darin pudelwohl. Das metrische Feuerwerk, das das Quartett im Birdland zündet, hält manche Überraschung bereit und ist wieder mal ein Beleg dafür, was unter der großen Überschrift "Jazz" so alles möglich ist. Was für ein spannender Abend für das Publikum im Birdland, welch erstaunliche neue musikalische Eindrücke. Und wer mal eine kurze Pause zwischendrin braucht, für den gibt's Miniaturen wie "Nobody's Song", ein wunderschönes kleines Stück Musik, das in seiner Schlichtheit natürlich komplett aus dem Rahmen fällt.