| Bastian Jütte -
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Zwei Saiten eines Drummers
Indiefication woke up on the kitchen floor inside decadance aaron parks his car
Bastian Jüttes Kompositionen und Klangmixturen auf „Inside“
Er ist einer, der mit Stöcken, Trommeln und Becken hochsensible
Töne erzeugt. In vielen Bands kann man ihn erleben, den hageren
jungen Mann mit dem markanten, nichtbehaarten Haupt. Und stets
ist er ein Garant fürs Subtile. Für feine rhythmische Nuancen – und
stets auch für Drive und Kraft: Bastian Jütte. In manchen Konzerten
nimmt er für die Zugabe gern mal die E-Gitarre zur Hand und spielt
Indierock aus eigener Feder. Das ist seine andere Saite, und auch
sie klingt gut. Vor allem, weil er mitreißend griffige Stücke schreiben
kann.

Warum das eine immer ohne das andere? Hier hat man beides
zugleich: den Drummer und den rockig inspirierten Stücke-Erfinder.
Auf „Inside“ versammelt Bastian Jütte als Bandleader neun
Eigenkompositionen, in die er Vieles fließen ließ, was ihm gefällt.
„Jazz“, „Singer-Songwriter“, „Indierock“ und „Indietronic“ benennt er
die Einflüsse, aus denen er hier eigene Mixturen gebraut hat.
Manchmal deuten die Stücktitel schon auf die jeweiligen Klänge hin –
mit schönen Wortspielen wie „Indiefication“ und „Decadance“. Oder:
„Aaron Parks His Car“ – als Titel einer Hommage an einen
einflussreichen jungen Jazzpianisten aus den USA. Auf dieser CD
gibt es hypnotische Klavierkürzel über trashig verfremdeten Drums,
rockige Gitarrenmotive, die mit melancholischen Tasten-Harmonien
verzahnt sind und dann schon mal plötzlich Rhythmus und Tempo
wechseln, rätselhaft rückwärts laufende, aber dann in kantiger
Klarheit aufgelöste Tonspuren, ironisch-beiläufige Dissonanzen, die
wie ein instrumentales Augenzwinkern klingen, sublim
durchhämmernde Bass-Ostinati – und viele soghaft schöne
Melodien. Fast ist es egal, was alles drin ist. Denn schnell stellt sich
heraus, dass alles passt. Es ist aus einem Guss – und es nimmt auf
ganz eigene Art gefangen. Es hat Witz und stilistische
Geschlossenheit.
Man kann diese Stücke analytisch zerlegen, aber man kann sich
auch einfach nur hineinfallen lassen. Mit so versierten Jazz-Partnern
wie Saxophonist Till Martin, Gitarrist Max Frankl, Pianist Chistian
Elsässer und Bassist Andreas Kurz zaubert Bastian Jütte hier
Stimmungen, die mal an instrumentale Songs, mal an musikalische
Kurzfilme erinnern. Amüsante, lakonische, ungekünstelte Filme voller
Zeitkolorit, die auf ganz gelassene Art ein persönliches Statement
abgeben. Und die auch berühren können – bis das „Inside“ des
Drummers und Urhebers im Idealfall auch zum „Inside“ des Hörers
wird. Viel Spaß damit!
Roland Spiegel, BR








